Brühl. Die Betroffenheit bei Bewohnerinnen, Bewohnern und Mitarbeitenden des Wohnhauses der Johannes-Diakonie in Brühl ist groß. Warum? Auf Bundes- und Landesebene werden massive Einsparungen im Sozialbereich geplant, auch und gerade mit Einschnitten für Menschen mit Assistenzbedarf, so sie umgesetzt werden. Für alle im Haus ist daher klar: „Wir sind kein Sparpotenzial!“ Mit roten Kreuzen auf den Händen machen sie deutlich, dass sie die Protestkampagne „#nichtamMenschensparen“ unterstützen, welche die Johannes-Diakonie mit initiiert hat.
Hinter der Kampagne steht ein Bündnis für Bürokratieabbau, das landesweit 15 soziale Einrichtungen und Verbände umfasst. Dessen zentrale Botschaft geht über ein „Nein“ zu Kürzungen hinaus. Ein bislang zu wenig genutztes Potenzial liege im Abbau von Bürokratie. „Uneinheitliche Verfahren, mehrfach zu erfassende Daten, fehlende digitale Lösungen sowie hohe Abstimmungs- und Verwaltungsaufwände und unverhältnismäßiger Dokumentationsaufwand verschlingen massiv Ressourcen“, erläutert Martin Adel, Vorstandsvorsitzender der Johannes-Diakonie.
So zeige beispielsweise eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Auftrag des „Brüsseler Kreises“, eines Zusammenschlusses gemeinnütziger sozial- und gesundheitswirtschaftlicher Unternehmen, dass in der direkten Betreuung der Menschen im Schnitt rund eineinhalb Stunden täglich für rein bürokratische Tätigkeiten verloren gehen. „Diese Zeit fehlt dort, wo Unterstützung wirkt – bei den Menschen“, so Adel weiter.
Gelinge es, Bürokratie zu reduzieren, profitierten alle: Menschen mit Assistenzbedarf, Angehörige, Mitarbeitende, Einrichtungen – und auch Kommunen, Land und Bund, weil knappe Mittel wirksamer eingesetzt werden können. „Wir sehen unsere Kampagne als konstruktiven Beitrag zur aktuellen Spar- und Reformdebatte.“ Die Kampagne mit einer entsprechenden Petition richte sich gezielt an die Landespolitik und die neue Landesregierung. Diese Petition zu unterschreiben, sei für viele auch im Brühler Wohnhaus ein wichtiger Beitrag gewesen. „Das Thema ist für uns alle relevant, wir wollen daher Zeichen setzen“, so Einrichtungsleiterin Karin Maidhof, das rote Kreuz gut sichtbar auf der Hand.
Im Wohnhaus der Johannes-Diakonie leben 27 Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung, einem erhöhten Bedarf im soziale-emotionalen Bereich und zusätzlich auftretenden herausfordernden Verhaltensweisen. „Geplante Leistungskürzungen gefährden genau diese notwendige Hilfe“, so Karin Maidhof weiter. Weniger Personal und eingeschränkte Angebote bedeuteten schlechtere Lebensqualität für die Betroffenen und auch mehr Druck auf die Mitarbeitenden. „Menschen mit Assistenzbedarf haben ein Recht auf Teilhabe, Würde und angemessene Unterstützung – nicht auf Einsparungen zulasten ihrer Lebenssituation“, macht Karin Maidhof abschließend deutlich.
Weitere Infos und der Verweis auf die Petitionsseite unter www.nichtammenschensparen.de



