... stark für Menschen

„Wir hatten tolle Zivis“

Mosbach.„Sagst du mir noch Tschüss, Gisela?“ fragt Denis Apacik. Die ältere Frau schaut den Zivildienstleistenden verwundert an. „Wir sehen uns doch bei der Feier der Wohngruppe wieder!“ erinnert sie ihn. Das werden sie. Auch wenn Denis an diesem Tag als letzter „Zivi“ der Johannes-Diakonie Mosbach verabschiedet wird. Er will den Kontakt zu den Bewohnern und Betreuern des Wohnzentrums in Mosbach halten. „Das bin ich ihnen schuldig“, sagt der 22-Jährige. Denn zwischen ihnen sind im Laufe seines Dienstes vertraute wie muntere Beziehungen entstanden. Vor seiner Verabschiedung blickten Denis und Team-Kollegen zurück auf die zurückliegenden Monate.

Der Einsatzort von Denis ist die Tagesbetreuung für erwachsene Menschen mit Behinderung gewesen. Hier wird alles dafür getan, dass sie einen geregelten und erfüllten Tagesablauf haben. So sollen ihre Fähigkeiten erhalten und gefördert werden. Sinnvolle Tätigkeiten tragen ebenso dazu bei wie Gemeinschaftserlebnisse.

Sinnesanregung ist eine der Aufgaben in der Tagesbetreuung. Hier hat Denis Apacik seinen Zivildienst gerne geleistet.

Bild von Zivildienstleistendem der mit einer Bewohnerin spielt.Das Spazierengehen mit Bewohnern ist eine Lieblingsaufgabe von „Zivi Denis“ gewesen. Schnell hat er dabei ihr Vertrauen gewonnen. „Man muss sich auf sie einstellen“, erzählt er. Dazu gehöre etwa, sich ihrem Schritttempo anzupassen. Mit ihnen zu reden. Ihnen zu zeigen, was in der Umgebung zu sehen ist. Oder ihnen Blätter und Hölzer in die Hand zu geben. So wird ein Spaziergang zum Naturerlebnis. „Denis hat zu allen Bewohnern Zugang finden können“, lobt ihn Michael Splettstößer. Eine der Stärken des Zivis hätte im Einfühlungsvermögen selbst bei schwer- und mehrfach behinderten Menschen gelegen, so der Leiter der Tagesbetreuung. Denn gerade bei ihnen gilt es, auf kleinste Signale zu achten. Ihre Freude etwa ist oftmals nur an kleinen Gesten oder Mimiken erkennbar. Und Freude hat Denis bei den Bewohnern wecken können. „Er hat bei jedem ein Lächeln hervorgelockt“, so Betreuer Alfred Pellner anerkennend. „Wenn die Bewohner zurücklächeln, merkt man, dass es etwas gebracht hat“, zeigt sich Denis selbst dankbar. Seine Aufgaben sind über das Spazierengehen hinausgegangen. Zu diesen hat auch gehört, Bewohner von den Wohngruppen zu den Räumen der Tagesbetreuung und zurück zu begleiten. Ebenso hat er ihnen das Frühstück gereicht.

Denis bereut es nicht, sich spontan für den Zivildienst in der Johannes-Diakonie entschieden zu haben. Zweimal hat er diesen verlängert und am Ende seine sechsmonatige Zivildienstzeit mehr als verdoppelt. Auch ein gutes Arbeitsklima ist dafür entscheidend gewesen. „Es hat im Team gepasst“, findet der Zivi. Hier sei „super“ zusammengearbeitet worden. Mit großem Dank verabschiedete die Johannes-Diakonie Mosbach jetzt ihren letzten „Zivi“, (v.l.) Michael Splettstößer, Denis Apacik, Alfred Pellner, Marianne Holzwarth und Jörg Huber.

Bild zeigt die Verabschiedung des Zivildienstleistenden. Von links: Michael Splettstößer, Denis Apacik (Zivildienstleistender), Alfred Pellner, Marianne Holzwarth und Jörg HuberDas Lob erwidert Splettstößer bei der Verabschiedung von Denis. „Ein super Mitarbeiter“ sagt er über ihn. Dem schließt sich Marianne Holzwarth an: „Wir hatten tolle Zivis“, erinnert sich die stellvertretende Wohnbereichsleiterin der Johannes-Diakonie. Für sie hat Denis klar dazugehört. Jörg Huber, Pädagogischer Vorstand der Johannes-Diakonie, schaut auf die 50 Jahre Wehrersatzdienst zurück. Hunderte der insgesamt fast drei Millionen jungen Männer haben den Zivildienst in Einrichtungen des Sozialunternehmens geleistet. Die Verabschiedung des letzten Zivis ist für Huber eine besondere Gelegenheit, Denis Apacik stellvertretend für alle herzlich zu danken: „Ihr Einsatz für Menschen mit Behinderung war großartig.“

An die Stelle der Zivis treten nun die „Bufdis“. So werden die Jugendlichen, Frauen und Männer genannt, die sich im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes gemeinnützig engagieren. Bereits 200 Bufdis bringen sich in sozialen Diensten und Einrichtungen der badischen Diakonie ein, auch in der Johannes-Diakonie Mosbach. Hier können sie nicht nur Gutes tun. Zugleich ermöglicht dies ihnen, berufliche und persönliche Fähigkeiten zu erproben und zu entwickeln.

„Vielleicht sieht man sich wieder“, verabschiedet sich Denis an seinem letzten Tag als Zivi. Was vorsichtig klingt, ist ein Versprechen. Gisela und viele andere Bewohner werden ihn auf den Festen ihrer Gruppe wiedertreffen. Möglicherweise werden sie sich in Zukunft noch öfter begegnen. Denn Denis Apacik will sich als gelernte Fachkraft für Lagerlogistik bei der Johannes-Diakonie bewerben. (da) 

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