... stark für Menschen

Inklusive Geschichtsarbeit stand auf der Agenda ganz oben

Lotsen und Lotsinnen vom Maria-Zeitler-Pfad stehen und sitzen auf der Bühne in der Johanneskirche
Thomas März (l.), Richard Lallathin (Bühne, sitzend, 1. v. l.) und das weitere Team des Maria-Zeitler-Pfades stellte diesen historischen Lehrpfad der Johannes-Diakonie dem Tagungspublikum vor.

Mosbach. Der deutschlandweit tätige „Arbeitskreis zur Erforschung der NS-‚Euthanasie‘ und Zwangssterilisation“ hat zum zweiten Mal bei der Johannes-Diakonie getagt. Knapp 200 Teilnehmende kamen nach Mosbach zu dem Treffen von Fachleuten, die sich mit den Verbrechen gegen Menschen mit Behinderung während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland 1933-45 beschäftigen. Der langjährige Pfarrer der Johannes-Diakonie, Richard Lallathin, leitete die Tagung, deren Schwerpunktthema inklusive Geschichtsarbeit war.

Ein gutes Beispiel, wie sich inklusive Geschichtsarbeit umsetzen lässt, hatte die Johannes-Diakonie selbst zu bieten. Gleich zu Beginn der Tagung stellten Richard Lallathin, Geschichtslotse Thomas März und das weitere Team ehrenamtlicher Lotsinnen und Lotsen den Maria-Zeitler-Pfad vor. Seit 2022 ermöglicht dieser historische Lehrpfad auf dem Standortgelände der Johannes-Diakonie eine Zeitreise durch die Geschichte der NS-„Euthanasie“. Führungen leiten stets Zweierteams, bestehend aus Menschen mit und ohne Behinderung. Weitere Beispiele für inklusive Gedenkarbeit kamen bei der Tagung unter anderem von Vertretern der Gedenkstätte in Grafeneck, der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg und des Gedenkorts T4 in Berlin.

Doch die Tagung in der Mosbacher beleuchtete noch viele weitere Winkel der NS-Geschichte und ihrer menschenverachtenden Politik gegenüber Menschen mit Behinderung. Die „Asozialen“-Kolonie in Heidelberg war Thema, ebenso die Seite der Täter oder auch die Rolle der Angehörigen bei der Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Zugleich wurde der Bogen geschlagen zu aktuellen politischen Entwicklungen wie der heutigen Wahrnehmung der Rechte behinderter Menschen im Zuge von Inklusion und UN-Behindertenrechtskonvention. Mehrere Einrichtungen gaben Einblicke in die Gestaltung von Erinnerungsorten. Am Ende stand der Abschiedsvortrag von Dr. Hans-Werner Scheuing, der die NS-„Euthanasie“ in der Johannes-Diakonie erforscht hatte und sich nach vielen Jahren der Mitarbeit aus dem Arbeitskreis zurückzieht.

Am Ende blickte Richard Lallathin zufrieden auf ein dichtes, zweitägiges Veranstaltungsprogramm zurück. Grußworte von Landrat Dr. Achim Brötel und Martin Adel, Vorstandsvorsitzender der Johannes-Diakonie, sowie insgesamt 16 Vorträge und die Vorstellung aktueller Forschungsliteratur hätten der Forschung zu dem so wichtigen Thema der NS-Geschichte wichtige Impulse gegeben. Zudem hätten die Teilnehmenden „mit dem Begehen des Maria-Zeitler-Pfades und dem Erleben des Gottesdienstes haben die Teilnehmer*innen einen lebendigen, vielfältigen und bereichernden Eindruck von der Johannes-Diakonie und ihrer aktiven Geschichtsarbeit gewonnen“, so Lallathin. Ein Teilnehmer fasste die Tagung so zusammen: „Ich habe hier viele neue Aspekte kennengelernt, über die ich weiter nachdenken werde.“

Kontakt: Ansprechpartner für Führungen auf dem Maria-Zeitler-Pfad ist Pfarrer Richard Lallathin, E-Mail: r.lallathin@web.de.

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