Reutlingen/Mosbach. Mit Blick auf die anstehenden Regierungsbildungsgespräche in Baden-Württemberg fordert der Unternehmensfachverband für Teilhabe Baden-Württemberg e. V. (Die Initiative), in dem auch die Johannes-Diakonie Mitglied ist, Bürokratieabbau und Digitalisierung im Sozialbereich verbindlich im künftigen Koalitionsvertrag zu verankern. „Die Initiative“ fordert einen „Digitalpakt Eingliederungshilfe“ für Baden-Württemberg. Dieser soll landeseinheitliche Standards für Verwaltungs- und Abrechnungsprozesse, medienbruchfreie digitale Schnittstellen zwischen Leistungsträgern und Leistungserbringern sowie einheitliche elektronische Rechnungs- und Bescheidverfahren schaffen. Ziel ist es, Kommunen zu entlasten, Verfahren zu beschleunigen und Fachkräfte von bürokratischen Routinen zu entbinden.
Durch die Digitalisierung und Standardisierung der Verwaltungs-, Abrechnungs- und Kommunikationsprozesse können nach Einschätzung des Verbandes bis zu 60 Millionen Euro eingespart werden – ohne Leistungen für Menschen mit Behinderungen zu kürzen. „Wer Haushalte stabilisieren will, darf nicht bei den Menschen kürzen – sondern muss endlich die Bürokratiekosten im System senken“, sagt Martin Adel, Vorstandsvorsitzender der Johannes-Diakonie und Sprecher der Initiative. Damit ließen sich kommunale Haushalte spürbar entlasten, ohne die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Frage zu stellen. Die Arbeits- und Sozialministerkonferenz hat Ende 2025 ausdrücklich gefordert, die Sozialleistungsverwaltung zu vereinfachen, zu entbürokratisieren und die Digitalisierung spürbar zu beschleunigen. Die Initiative sieht darin eine klare politische Rückendeckung für einen landespolitischen Schritt in Baden-Württemberg.
„Nicht am Menschen sparen heißt politisch konkret: weniger Papier, weniger Medienbrüche, nicht 44-fache Sonderwege, sondern endlich gemeinsame digitale Standards in Baden-Württemberg“, betont Dietmar Prexl, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten und Mitglied des Vorstands der Initiative. Bürokratieabbau und Digitalisierung seien im Sozialbereich kein Randthema, sondern eine zentrale Modernisierungsaufgabe des Landes. Die Initiative betont, dass die Eingliederungshilfe Teil der sozialen Infrastruktur des Landes ist. Wer Verwaltung modernisieren und kommunale Haushalte entlasten will, muss deshalb gerade in diesem Bereich strukturelle Effizienzreserven heben, statt die Debatte auf Leistungskürzungen zu verengen. Der Verband warnt darüber hinaus davor, Menschen mit Behinderungen in der Haushaltsdebatte herabzusetzen oder zum Symbol kommunaler Finanzprobleme zu machen. Wer jetzt kürzt, entscheidet sich bewusst gegen eine effizientere und nachhaltigere Alternative.



