„Im schlimmsten Fall wird die Krankheit verstärkt“
Mosbach. Volkhard Menzel weiß, worüber er spricht. Ehemals war er selbst von einer psychischen Erkrankung betroffen, musste mit den Symptomen genauso klarkommen wie mit Stigmatisierung und Vorurteilen, die andere Menschen gegenüber psychisch erkrankten Personen hegen. Inzwischen arbeitet Menzel als sogenannter Ex-In-Genesungsbegleiter am „Klinikum am Weissenhof – Zentrum für Psychiatrie“ in Weinsberg. Zugleich sieht er es als seine Aufgabe an, etwa in Vorträgen, über psychische Erkrankungen aufzuklären und Antistigma-Arbeit zu leisten.
Anlässlich der „Woche der Seelischen Gesundheit“ gastierte Volkhard Menzel bei den Neckar-Odenwald-Werkstätten der Johannes-Diakonie mit dem Vortrag „Stopp das Stigma“. Werkstattleiter Hans Vivas Stadler begrüßte die Gäste der Veranstaltung, darunter die Behindertenbeauftragte des Neckar-Odenwald-Kreises, Jutta Schüle, und lud ebenso wie Lena Schell vom Geschäftsbereich „Teilhabe am Arbeitsleben“ der Johanne-Diakonie dazu ein, Solidarität mit Betroffenen zu zeigen.
Diese sind häufig und bei vielen Gelegenheiten mit Vorurteilen und Benachteiligungen konfrontiert, wie Volkhard Menzel aus eigenem Erleben weiß. Da gibt es zum Beispiel herabwürdigende Kommentare von Bekannten oder im Kontakt mit Verwaltungsstellen. Hinzu kommen oft Ausgrenzung, wenn etwa Freunde oder Familie sich abwenden. Ursachen sind häufig Nicht- oder Halbwissen und das Bedürfnis, sich gegen das schwierige Thema psychische Erkrankung abzugrenzen. Die Folgen sind schwerwiegend, wie Menzel erklärt: „Das Stigma kann das Selbstwertgefühl von psychisch Erkrankten stark beeinträchtigen und im schlimmsten Fall die Krankheit verstärken.“ Auch Angehörige könne das Stigma eines erkrankten Familienmitglieds sozusagen mittreffen und benachteiligen.
Dabei können Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht selten besondere Fähigkeiten aufweisen, die sie durch die Krankheit erworben haben. „Durchlebte Krisen können stark machen. Und wer nach einer Erkrankung sein Leben in den Griff bekommen hat, ist unter Umständen offener für Neues“, so Menzel. Gegen Stigmatisierung und Vorurteile helfe auch, sich in Selbsthilfegruppen oder anderen Austauschformaten Rückhalt und Unterstützung zu holen. Dagegen sei es nicht hilfreich, soziale Kontakte zu vermeiden und sich zu isolieren. Negative Folgen der Stigmatisierung würden dadurch unter Umständen verstärkt.
Auch wenn Stigmatisierung vor allem bei schweren psychischen Erkrankungen weiter ein Problem ist, blickt Volkhard Menzel positiv in die Zukunft: „Die Aufklärung zu diesen Erkrankungen verbessert sich stetig. Es ist aber wichtig, hier weiter aktiv zu bleiben.“
