Hier entsteht Raum für individuelle Begleitung
Bietigheim. Die Johannes-Diakonie hat den Auftakt für ihr erstes Standortprojekt im Landkreis Rastatt gefeiert. In Bietigheim begannen mit einem symbolischen Spatenstich auf einer schon sichtbar fortgeschrittenen Baustelle die Arbeiten an einem Wohnangebot für bis zu 24 Menschen mit Behinderung und besonderem sozial-emotionalem Assistenzbedarf. Außerdem entsteht auf dem Bauareal „Am Birkig 1“ eine Tagesförderstätte mit 24 Plätzen. Das von langer Hand geplante Projekt war unter anderem durch die Corona-Pandemie und Preissteigerungen am Bau immer wieder verzögert worden.
Eine Andacht von Pfarrerin Heike Bährle bildete den Auftakt der Feier zum Spatenstich, zu der circa 40 Vertreterinnen und Vertreter von Johannes-Diakonie und Kooperationspartnern sowie aus Verwaltung, Landes- und Kommunalpolitik gekommen waren. Neben viel Dankbarkeit für die Unterstützung in Gemeinde und Landkreis äußerte der Vorstandsvorsitzende der Johannes-Diakonie, Martin Adel, anschließend auch kritische Töne angesichts von politischer Seite geplanter Einsparungen bei sozialen Leistungen. Er verwies auf die Kampagne „#nichtamMenschensparen“, die sich – unter anderem mit einer Petition – gegen diese Einsparungen wendet und stattdessen Bürokratieabbau fordert.
Von kommunaler Seite hatte es nicht an Unterstützung für das Bauvorhaben gefehlt. Entsprechend zufriedene Töne schlugen deren Vertreter an. Man sei seit dem ersten Kontakt mit der Johannes-Diakonie „Feuer und Flamme“ für das Projekt gewesen, betonte Bürgermeister Constantin Braun und verwies auf die einstimmige Zustimmung im Gemeinderat für den Verkauf des rund 4500 Quadratmeter großen Baugeländes. Und der Erste Landesbeamte, Sébastien Oser, begrüßte das neue Wohnangebot als „sichtbares Zeichen, dass wir für Menschen mit Unterstützungsbedarf Verantwortung übernehmen und für eine inklusive Gesellschaft einstehen“.
Detaillierte Informationen zum Vorhaben präsentierte die zuständige Regionalleiterin der Johannes-Diakonie, Yvonne Jelinek. In den zwei unteren Vollgeschossen des Wohngebäudes finden bis zu 20 Personen in Wohngruppen ein Zuhause. Im darüberliegenden Staffelgeschoss werden vier Zimmer für ein weitgehend selbstständiges Wohnsetting vorgehalten. Auch in der benachbarten Tagesförderstätte werde es Raum für eine sehr individuell gehaltene Assistenz geben mit Gruppenräumen, Einzelarbeitsplätzen und einem Begegnungsraum. „Wir brauchen diese Möglichkeiten auf individuelle Bedürfnisse einzugehen, gerade in der intensiv-pädagogischen Begleitung von Menschen mit Behinderung“, schloss Jelinek.
Seit etwa 15 Jahren engagiert sich die Johannes-Diakonie im Aufbau gemeindenaher, dezentraler Wohnangebote für Menschen mit Behinderung. Der Standort in Bietigheim bedeutet einen weiteren Schritt in diese Richtung. Inklusive Grundstück rechnet die Johannes-Diakonie mit Projektkosten von rund 11 Millionen Euro. Zusätzliche Unterstützung entsteht für das Vorhaben durch Fördermittel des Landes Baden-Württemberg und des Kommunalverbands für Jugend und Soziales (KVJS) in Höhe von insgesamt rund 2,75 Millionen Euro. Bis Anfang 2028 sollen Wohnangebot und Tagesförderstätte bezugsfertig sein.
