Fachtagung in Heidelberg zeigte „Wege für Alle“ auf
Heidelberg. Gewalt in der Familie, Inobhutnahme, wechselnde Wohngruppen, Gewaltausbrüche und das Gefühl, nirgendwo anzukommen. Was Calvin Dalmann beschreibt, trifft auf viele Menschen zu, die intensivpädagogische Begleitung in allen Lebensbereichen benötigen, etwa weil sie herausforderndes Verhalten zeigen. Hürden und Teilhabeeinschränkungen stellen sich ihnen fast überall: beim Wohnen, in der Schule, der Arbeit, der Freizeit. Wie eine fachlich fundierte Begleitung dieser Menschen aussehen kann, dazu tauschten sich Expertinnen und Experten in Heidelberg bei der Fachtagung „Wege für Alle – intensivpädagogische Angebote für morgen“ auf Einladung der Johannes-Diakonie aus. Beteiligt waren auch Betroffene wie Calvin Dalmann, die ihre Lebensgeschichten und Erfahrungen zur Fachtagung beitrugen.
Schon in seiner Begrüßung machte Martin Adel, Vorstandsvorsitzender der Johannes-Diakonie, deutlich, wie breit und interdisziplinär intensivpädagogische Assistenz aufgestellt sein muss. Dem entsprach das Programm der eintägigen Veranstaltung, die unter der Leitung von Yvonne Jelinek (Regionale Geschäftsführung der Johannes-Diakonie) stand. Den Auftakt machte Ulrike Eipperle vom baden-württembergischen Sozialministerium. Sie stellte die Arbeitsgruppe „Besondere Teilhabebedarfe“ vor, in der Vertreter und Vertreterinnen von sozialen Einrichtungen, Kommunen, Medizin, Justiz und Wissenschaft landesweit unter anderem Maßnahmen zur Prävention entwickeln.
Nicht jeden Einzelfall individuell betrachten und behandeln, sondern Regelsysteme und Infrastruktur, wie etwa Schulausstattung, stärken, dafür sprach sich Jonas Nees in seinem Vortrag aus. Der Fachbereichsleiter Jugendhilfe bei der Stadt Karlsruhe betonte zudem, wie wichtig eine dezentral aufgestellte Verwaltung ist, um mit anderen Akteuren der Jugendhilfe Allianzen aufzubauen. Nach Nees erklärte Heidrun Meyer vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) dem Plenum, welche Hilfen der KVJS für Leistungsträger und -erbringer zu bieten hat.
Aufgeteilt in Gruppen wandten sich die Teilnehmenden anschließend speziellen Aspekten von intensivpädagogischer Begleitung zu. Da die Johannes-Diakonie als einer von wenigen Anbietern in Baden-Württemberg für nahezu alle Lebensbereiche intensivpädagogische Angebote vorhält, konnten Fach- und Führungskräfte des Unternehmens in den Workshops wichtige Erfahrungen weitergeben und den Austausch der Teilnehmenden moderieren. Die Themen reichten von Jugendhilfe über berufliche Bildung und Beschäftigung, medizinisch-therapeutische Ansätze bis hin zum Wohnen und zum Ankommen im Sozialraum von Städten und Gemeinden. Denn in all diesen Feldern müssen teils sehr individuelle Antworten auf intensivpädagogische Bedarfe gefunden werden, um eine gute persönliche Entwicklung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
Den Abschluss bildete eine Gesprächsrunde mit Betroffenen, die auf der Bühne unter Moderation von Tagungsleiterin Jelinek über ihren persönlichen Hintergrund und ihre Erfahrungen mit Unterstützungsangeboten erzählten, so wie Calvin Dalmann. Nachdem der 23-Jährige viele Einrichtungen aufgrund seines Verhaltens wieder verlassen musste, konnte er bei der Johannes-Diakonie ein passendes Wohn-Setting finden und lebt inzwischen weitgehend selbstständig in Heilbronn. „Nette Mitarbeitende und viel sprechen, das hat mir geholfen“, sagt Dalmann. „Und irgendwann habe ich gemerkt, ich muss nicht mehr so ausrasten wie früher.“ Sein Erfahrungsbericht rundete eine Fachtagung ab, die am Ende für die Teilnehmenden viele Erkenntnisse und neue Kontakte gebracht hat.
