Johannes-Diakonie Mosbach

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Leitbild

 

der Johannes-Diakonie Mosbach

- Körperschaft des öffentlichen Rechts -

 

Miteinander leben - voneinander lernen

 

Unser Auftrag und Selbstverständnis

1880 wurde die Johannes-Diakonie Mosbach im Zusammenwirken staatlicher und evangelisch-kirchlicher Kreise und Personen als Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung in Nordbaden gegründet.

Die Johannes-Diakonie Mosbach ist ein soziales Dienstleistungsunternehmen in der Diakonie. Sie versteht sich gemäß Satzung als ein regionaler und überregionaler Anbieter von Leistungen für Menschen mit Behinderungen und Menschen mit vergleichbarem Unterstützungsbedarf.

Auftrag der Arbeit von uns allen in der Johannes-Diakonie, den Mitarbeitenden sowie den Organen Verwaltungsrat, Geschäftsführer und Beratender Vorstand, ist es, dass jeder Mensch seine Persönlichkeit im solidarischen Miteinander entwickeln kann. Dazu bieten wir verschiedene Formen der Begleitung an, die sich am individuellen Bedarf jedes einzelnen Menschen orientiert sowie seine Selbstbestimmung und Eingliederung in die Gesellschaft und Teilhabe am Leben fördert.

Wir bieten für Menschen mit Behinderungen und vergleichbarem Unterstützungsbedarf insbesondere pädagogische, berufsbildende, therapeutische, medizinische, pflegerische und andere Leistungen, Einrichtungen und Dienste stationär, teilstationär und ambulant an, indem wir Menschen fördern, begleiten und betreuen, ihnen assistierend zur Seite stehen und vielen ein Zuhause geben.

Wir sind offen für veränderte Bedarfslagen und neue Geschäftsfelder. Wir stärken unsere ambulanten und regionalen Angebote.

Wir sind Teil eines Netzwerkes von Anbietern verschiedenster Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen und vergleichbarem Unterstützungsbedarf und stehen mit diesen im Wettbewerb und im fachlichen Dialog.

 

Vision

Sowohl in unseren Arbeitsfeldern als auch in der Gesellschaft orientieren wir uns an der Leitvorstellung, dass Menschen mit ihren unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten in unseren Einrichtungen sowie in den Kommunen und Kirchengemeinden gleichberechtigt miteinander leben und voneinander lernen. Es ist normal, verschieden zu sein.

 

1. Wir leben miteinander

A. Wir sind Gemeinschaft

Als Mitarbeitende tragen wir im Rahmen einer klaren Organisationsstruktur mit unserer Fachlichkeit zum Gelingen unseres Auftrags bei.

Wir arbeiten zusammen und informieren offen und transparent.

Den individuellen Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen und vergleichbarem Unterstützungsbedarf wird durch unsere Arbeit Rechnung getragen. Damit soll ihnen das selbstverständliche und unveräußerliche Recht auf Selbstbestimmung und Teilhabe am Leben in unserer Gesellschaft ermöglicht werden.

Die Beiräte, Eltern, Angehörigen, Betreuer, Interessenvertretungen und Leistungsträger sind Gesprächspartner, deren Kritik, Anregungen und Wünsche wir ernst nehmen.

 

B. Wir sind Kirche

Als Unternehmen in der Diakonie sind wir Wesens- und Lebensäußerung von Kirche. Zusammen mit den Kirchengemeinden bezeugen wir in Tat und Wort das Evangelium Jesu Christi. Gegenseitige Kontakte sind uns wichtig.

Unser Menschenbild orientiert sich an der christlichen Vorstellung, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist (1. Mose 1,27). Ebenbild von Gott zu sein bedeutet: Gott hat uns als sein Gegenüber geschaffen; der Mensch lebt nicht aus sich selbst, sondern im Gegenüber zu Gott, dem er verantwortlich ist.

Jeder Mensch hat deshalb unabhängig von seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten eine unverlierbare Würde, die ihm Gott verliehen hat. Es ist unsere christliche Verantwortung und Verpflichtung, diese Würde zu achten und vor Angriffen in Schutz zu nehmen.

Vor über 50 Jahren erhielt unsere Einrichtung den Namen »Johannes-Anstalten«; seit Februar 2010 heißt sie »Johannes-Diakonie Mosbach«.

Das Johannes-Evangelium und die Johannes-Briefe betonen die Bedeutung des unauflöslichen Zusammenhangs von Gottesliebe und Nächstenliebe:

»Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. … Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder und seine Schwester liebe« (1. Johannes 4,16 und 21).

Wir nehmen Gottes Auftrag ernst, wenn wir den Menschen beistehen, die auf Unterstützung und Assistenz bei ihrer gleichberechtigten Teilhabe am Leben angewiesen sind.

Mit unseren Gottesdiensten und Andachten, mit den kirchlichen und seelsorgerlichen Angeboten wollen wir Orientierung geben und Menschen in ihrem Tun stärken.

 
C. Wir sind Gesellschaft

Wir tragen gemeinsam Verantwortung für das Leben aller in der Vielfalt, in der sich menschliches Leben gestaltet.

Zusammen mit den Menschen mit Behinderungen vertreten wir ihre Interessen in der Öffentlichkeit.

Wir vertreten das Recht aller Menschen auf Teilhabe in unserer Gesellschaft, unabhängig von ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Allen Menschen halten wir unsere Türen offen und laden sie zur Kommunikation und Kooperation mit uns ein.

Als Leistungserbringer kooperieren wir eng mit den Leistungsträgern, um die Qualität der Angebote für Menschen mit Behinderungen zu sichern und weiterzuentwickeln. Wir kommunizieren mit Verbänden sowie mit staatlichen, kirchlichen und privaten Institutionen.

 

2. Wir lernen voneinander

A. Wir lernen aus der Geschichte

Wir stehen mit unserer Einrichtung in der Tradition kirchlicher Sozialarbeit, wie sie sich ab dem 19. Jahrhundert herausgebildet und der Not bedürftiger Menschen angenommen hat (Innere Mission).

Die Verbrechen an Menschen mit Behinderungen während des Dritten Reiches bleiben uns dauerhafte Mahnung und Verpflichtung. Das Wissen um Zwangssterilisationen, medizinische Versuche und Ermordung veranlasst uns, für die Grundrechte und soziale Absicherung von Menschen mit Behinderungen einzutreten. Es lässt uns kritisch Stellung nehmen zu gesellschafts- und sozialpolitischen Fragen (Soziale Sicherungssysteme) und insbesondere zu medizin- und gentechnischen Entwicklungen, die das Lebensrecht von Menschen mit Behinderungen berühren oder gar gefährden.

 

B. Wir lernen lebenslang

Das Leben und die Erfahrung eines jeden einzelnen Menschen mit Behinderung bestimmen unser Lernen und Arbeiten.

Wir bedienen uns fachlich geeigneter Methoden und sichern deren Qualität unter anderem durch Aus-, Fort- und Weiterbildung.

Zur Professionalität unserer Arbeit gehört die effiziente Nutzung aller uns zur Verfügung stehenden sachlichen und finanziellen Mittel. Jeder Mitarbeitende ist damit für wirtschaftliches Handeln an seinem Arbeitsplatz und im Gesamtunternehmen verantwortlich.

 

Wir wollen kontinuierlich Qualitätsmanagement und Weiterentwicklung unserer Angebote in den einzelnen Arbeitsbereichen unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sicherstellen.

Wir kommunizieren offen und vertrauensvoll miteinander und nehmen uns Zeit füreinander.

Wir können Fehler nicht immer verhindern. Aber wir wollen sie erkennen und lernen, sie künftig zu vermeiden.

Als Mitarbeitende bei der Begleitung und Assistenz von Menschen mit Behinderungen lassen wir uns zur Verwirklichung ihrer Selbstbestimmungs- und Teilhaberechte von deren individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen leiten.

Mit unserem Leben und Arbeiten wollen wir zur Gestaltung von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in unserer Gesellschaft beitragen.

 

Dieses Leitbild wird ständig weiterentwickelt und fortgeschrieben.