
PRESSEINFORMATION vom 26. August 2010
Heidelberg. Die 2000 eingeweihte Zweigwerkstatt in Heidelberg-Kirchheim der Rhein-Neckar-Werkstätten GmbH (RNW), eine anerkannte Werkstatt für Menschen mit chronisch psychischen Erkrankungen, hat in diesem Jahr ihr zehnjähriges Firmenjubiläum. Die RNW-Hauptwerkstatt in Heidelberg-Rohrbach platzte Ende der neunziger Jahre aus allen Nähten. Da dort baulich nicht erweitert werden konnte, musste eine Zweigwerkstatt geschaffen werden. Deshalb mietete man
2000 eine moderne Industriehalle in Kirchheim, Hardtstraße, die nach den Erfordernissen einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) mit 50 Werkstattplätzen eingerichtet wurde. In der RNW-Zweigwerkstatt werden überwiegend Montage-, Konfektionier- und Verpackungsaufgaben für Auftraggeber aus Industrie und Wirtschaft durchgeführt.
„Seit Bestehen unserer Zweigwerkstatt hat sich an der Nachfrage nach Werkstattplätzen für chronisch psychisch kranke Menschen nichts geändert: Die Nachfrage ist weitaus höher als das Platzangebot. Oftmals entstehen mehrmonatige Wartezeiten, bis wieder ein Werkstattplatz frei ist und ein/e Betroffene/r aufgenommen werden kann“, bedauert Joachim Schleicher, RNW-Geschäftsführer die Situation. „Das ist für alle Seiten sehr unbefriedigend“, so Schleicher weiter. „Denn oft ist bei psychisch kranken Menschen ein längerer Klinikaufenthalt vorangegangen, während dem sie sich wieder stabilisieren konnten. Wenn dann nach dem Klinikaufenthalt längere Wartezeiten für einen Werkstattplatz entstehen und die Betroffenen keine Aufgabe und keinen strukturierenden Tagesablauf haben, ist die Gefahr groß, dass sie wieder in ein Loch fallen und der Teufelskreis von vorne beginnt. Die Anzahl der Werkstattplätze ist durch die Leistungsträger gedeckelt, Werkstätten können also nicht beliebig erweitern“, stellt der RNW-Geschäftsführer fest. Einen Ausweg aus diesem Dilemma sieht Schleicher in ausgelagerten Werkstattplätzen, sogenannten Außenarbeitsplätzen. Das sind von der Werkstatt betreute Arbeitsplätze, die sich in Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes befinden. Doch dazu bedarf es des Schulterschlusses mit den Leistungsträgern sowie mit Arbeitgebern des allgemeinen Arbeitsmarktes. Dies käme der von der UN-Menschen-rechtskonvention geforderten Inklusion näher, die auch von Deutschland unterschrieben wurde. Danach sollen behin-derungsbedingte Benachteiligungen, denen Menschen mit Behinderung heute noch immer unterliegen, aus allen Lebens-bereichen ausgeglichen werden.
Die Rhein-Neckar-Werkstätten bestehen seit 1979. Die Hauptwerkstatt befindet sich in Heidelberg-Rohrbach. In beiden Werkstätten zusammen bietet die Einrichtung rund 160 Werkstattplätze für Menschen mit chronisch psychischen Erkrankungen aus Heidelberg und Umgebung. Um die Betroffenen adäquat fördern, betreuen und beschäftigen zu können, werden Dienstleistungen erbracht in den Bereichen Büroservice, Catering, Grünanlagenpflege, Elektromontage, Schreinerei und Montage/
Metall. Seit kurzem vertreiben die RNW ihren Cateringservice für Gemeinschafts-/Betriebsverpflegung unter der eingetragenen Marke geschmackwerkstatt. Träger der RNW ist die Johannes-Diakonie Mosbach, die eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und Mitglied im Diakonischen Werk der Evangelischen Landeskirche in Baden ist.