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Ausbildung im BBW Mosbach zahlt sich aus

Wer die Bildungseinrichtung absolviert, hat auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen

Kultusministerin Marion Schick mit Delegation zu Gast im Berufsbildungswerk Mosbach

„Mir läuft das Herz über vor Begeisterung“, „herausragend“, „das kann nicht genug gelobt werden“ – der Leistung des Berufsbildungswerkes (BBW) Mosbach gab Marion Schick Superlative. Am 10. Januar besuchte die Kultusministerin des Landes Baden-Württemberg die berufliche Bildungseinrichtung für Jugendliche mit Lern- und Mehrfachbehinderung, deren Träger die Johannes-Diakonie Mosbach ist. Auf dem Programm standen eine Präsentation des BBW, ein Rundgang und ein „Round Table“ mit Vertretern aus Politik und Unternehmen sowie von Kammern und Behörden.

„Wir sind nicht zufällig hier“, sprach Schick auch für CDU-Fraktionschef Peter Hauk. Motiviert war deren Besuch des BBW Mosbach durch eine aktuelle Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft: „Kosten und Nutzen der beruflichen Rehabilitation junger Menschen mit Behinderungen oder funktionalen Beeinträchtigungen“.

Die Ministerin besucht den Ausbildungs-bereich der Fahrradmonteure...

Die Ausbildung eines jungen Menschen an Berufsbildungswerken kostet die Gesellschaft Geld – rund 120.000 Euro und damit etwa doppelt soviel, wie für andere Formen der beruflichen Förderung. In Zeiten knapper Haushaltsmittel stellt sich die Frage, ob dieses Geld gut angelegt ist. Die Kölner Studie bejaht die Frage und belegt dies: Zum Befragungszeitpunkt waren 68 Prozent der Absolventinnen und Absolventen der BBWs erwerbstätig. Ohne eine abgeschlossene Ausbildung hingegen war nur jeder zweite Jugendliche mit Behinderung im Arbeitsmarkt integriert. Sie müssen also häufiger vom Staat unterstützt werden als BBW-Absolventen.

Zwar sind die Kosten für die Ausbildung in einem BBW höher als in anderen beruflichen Bildungseinrichtungen, weil BBW-Jugendliche ganzheitlich gefördert werden müssen. Die später stärkere Arbeitsmarktintegration und der höhere Arbeitslohn aber machen dies mehr als wett: Die Rendite der beruflichen Rehabilitation beträgt 11,7 Prozent. Demnach zahlt sich die Ausbildung zehn Jahre nach Abschluss des BBW gesamtwirtschaftlich aus.

... und die Holzausbildung

Stolz auf das BBW Mosbach bekundete Dr. Hanns-Lothar Förschler, Vorstandsvorsitzender der Johannes-Diakonie, in seinem Grußwort an die Gäste. Das BBW biete behinderten Jugendlichen eine Chance zur beruflichen und damit gesellschaftlichen Integration. Gemeinsam müsse alles getan werden, um Jugendlichen am Beginn ihres beruflichen Lebens die Wege zu ebnen und ihnen damit eine Lebensperspektive zu geben.


Entwicklung, Struktur und Angebote des BBW Mosbach stellte Leiter Albert Stelzle vor und kam zu dem Fazit: „Berufsbildungswerke zeigen, dass eine Berufsausbildung für (fast) alle Jugendlichen mit einer Behinderung möglich ist und eine nachhaltige Integration in Erwerbstätigkeit gelingt. Die Berufsausbildung ist gesamtwirtschaftlich notwendig und rentiert sich – man muss es nur wollen.“ Laut Stelzle konnten bereits 70 Prozent der Mosbacher BBW-Absolventen des Jahres 2009 einen Arbeitsplatz finden.

„Besser als im Bundesdurchschnitt“ stellte Schick fest, weshalb sie dann auch bekundete: „Mir hüpft das Herz vor Freude.“ Ihr ist es wichtig, im Bildungssystem passgenaue Wege zu finden. Daher freute sie sich, dass das BBW Mosbach Jugendlichen verschiedene Ausbildungsberufe und -varianten anbietet.

Wie das praktisch aussieht, konnten die Gäste bei einem Rundgang durch das BBW Mosbach erfahren. Dort, „wo gehobelt wird und Späne fallen“, stellten Abteilungsleiter Thorsten Kaiser und Auszubildende den Bereich Holzbearbeitung vor. Abteilungsleiter Wilhelm Kronawetter und Auszubildende erläuterten, worauf es im Bereich der Fahrradmonteure ankommt.

Marion Schick im Gespräch mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und BehördenWalter Tschischka (3. v.r.)
Marion Schick im Gespräch mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Behörden

Bei der abschließenden Gesprächsrunde, an der auch Landrat Dr. Achim Brötel, Oberbürgermeister Michael Jann und Barbara Waldkirch, Vizepräsidentin der IHK Rhein-Neckar, teilnahmen, wurde deutlich: In der Ausbildung müssen Politik, Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Eltern und Jugendliche zusammenwirken. Walter Tschischka, Präsident der Handwerkskammer Mannheim, teilte seine Erfahrung mit, dass in Berufsbildungswerken oft besser ausgebildet werde als in Betrieben. Aufgrund seiner guten Zusammenarbeit mit dem BBW Mosbach, konnte Unternehmer Werner Landvatter dies bestätigen. Laut Stefan Beil, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Tauberbischofsheim, sind die Berufschancen auf dem Ersten Arbeitsmarkt gestiegen. Sie zu nutzen, hänge aber nicht nur von der fachlichen Ausbildung ab, sondern gleichermaßen von der persönlichen Motivation. Deshalb erfreute es auch Jörg Huber, Vorstand der Johannes-Diakonie, dass sich die versammelten Vertreter vor Ort über die Berufsausbildung und Begleitenden Dienste im BBW Mosbach informierten und damit zugleich ihre Wertschätzung bekundeten.


Dirk Adler